Die Evangelische Berufsschule des Rauhen Hauses.

Geschichte

Der Beginn

Schon im Jahr 1950 begann die Hamburger Stadtmission kinderreiche Familien und alte Menschen in Hamburg zu unterstützen. Sie erkannte sehr schnell, dass Mitarbeiterinnen eine fundierte Ausbildung benötigten. 1961 beschloss der Verwaltungsrat des Vereins für Innere Mission die Gründung der Evangelischen Haus- und Altenpflegerinnenschule der Hamburger Stadtmission. Als eine der ersten Schulen ihrer Art in Deutschland initiierte sie zusammen mit anderen Ausbildungsstätten eine bundesweite Entwicklung für Standards in der Ausbildung von Haus- und Altenpflegerinnen.

Theorie und Praxis in der Ausbildung

Die Ausbildung dauerte ein Jahr. Dazu gehörten fünf Monate Theorie und fünf mehrwöchige Praktika. Die Schülerinnen konnten dabei zwischen Hauspflegerin und Altenpflegerin als Ausbildungsziel wählen. Unterrichtsfächer waren Anatomie, Altenpflege, Körperpflege, Erziehungslehre, Anleitung "untüchtiger" Hausfrauen, Singen, Bürgerkunde, Einteilung des Haushaltsgeldes, Altenkostlehre, Glaubensfragen und Seelsorge. Der Unterricht wurde von qualifizierten Lehrkräften auf ehrenamtlicher Basis erteilt und nach Abschluss wurde die kirchliche Anerkennung als Ev. Haus- oder Altenpflegerin verliehen. Gleichzeitig wurde innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege um bundesweit geltende Ausbildungsregelungen und einheitliche Entwürfe für das Berufsbild von Haus- und Altenpflegerinnen gerungen. Sie wurden weiter entwickelt, den Anforderungen der Praxis angepasst und ab 1963 durch ein anschließendes Berufspraktikum an dieser Schule ergänzt.

Berufsbegleitende Ausbildung

Auf Drängen der Alten- und Pflegeheime, die qualifizierte Mitarbeiter suchten, kam in den 70er Jahren die berufsbegleitende Ausbildung für Pflegekräfte hinzu, die bereits in Einrichtungen tätig waren, aber keinen Berufsabschluss erworben hatten. Obwohl diese Abendkurse eine erhebliche persönliche Belastung für die Teilnehmenden bedeutete, wurde sie aufgrund der großen Nachfrage bis 1985 praktiziert.

Staatliche Anerkennung

1975 erhielt die Schule die Anerkennung der Stadt Hamburg mit dem Titel Berufsfachschule für Altenpflege und sechs Jahre später auch die staatliche Anerkennung gemäß des Hamburger Privatschulgesetzes. So entstand 1982 die staatlich anerkannte Ev. Berufsfachschule für Altenpflege. Gleichzeitig überführte die Hamburger Stadtmission die Schule in die Trägerschaft der Stiftung Das Rauhe Haus. Zu dieser Zeit wurde Altenpflege als zentrales Fach aufgewertet und der Stundenanteil für Theorie erhöht, sodass entsprechend der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz auch die bundesweite Anerkennung erfolgte.

Steigende Anforderungen

Nach Einführung der Pflegeversicherung und den damit tiefgreifenden Veränderungen im Berufsfeld Pflege stiegen die Anforderungen an die Fachkräfte. Die Schule reagierte darauf mit der Entwicklung einer neuen dreijährigen Altenpflegeausbildung, die neben dem Berufsabschluss bundesweit einmalig auch den Erwerb der allgemeinen Fachhochschulreife ermöglichte. Dazu gab es bis dahin nichts Vergleichbares innerhalb der bundesrepublikanischen Altenpflegeausbildung.

Gleichzeitig begann das Engagement im Bereich der Fort- und Weiterbildung. Es war absehbar, dass der Anteil gerontopsychiatrisch erkrankter Menschen stark steigen würde und auch behinderte und psychisch kranke Menschen zunehmend einen Pflegebedarf entwickelten. Daraus entstand u.a. die Fachweiterbildung Gerontopsychiatrie für Pflegefachkräfte.

Neue gesetzliche Regelungen

In 2003 wurde die Altenpflegeausbildung mit dem Gesetz über die Berufe in der Altenpflege bundesweit vereinheitlicht. In Hamburg erfolgte die Umsetzung drei Jahre darauf und die Ausbildung wurde grundlegend den neuen gesetzlichen Regelungen angepasst.

Vielfältig engagiert

Die Lehrkräfte der Schule engagieren sich in vielerlei Gremien und Arbeitsgemeinschaften, die sich mit aktuellen Themen des Berufsfeldes Pflege befassen. So z.B. beim Ausbau der Wohnpflegegemeinschaften in Hamburg, in der Hamburger Landesinitiative Leben mit Demenz und der Diskussionen um auch strittige Entwicklungen, wie die Einrichtung von Pflegeoasen. Die Schule ist darüberhinaus Mitglied im Wundzentrum Hamburg und der Alzheimer Gesellschaft Hamburg.

Neue Entwicklungen

Im Sommer 2014 hat die Evangelische Berufsschule ihr Angebot um die Ausbildung von Gesundheits- und Pflegeassistenten/-innen erweitert. Damit einher ging eine Veränderung des Namens. Die Schule heißt jetzt Evangelische Berufsschule für Pflege des Rauhen Hauses. 

Im Oktober 2014 ist die Schule in die neuen und größeren Räumlichkeiten in der Weidestraße in Barmbek-Süd umgezogen.

Im Januar 2016 haben das Diakonische Werk Hamburg und die Stiftung Das Rauhe Haus gemeinsam die Diakonische Fort- und Weiterbildungsakademie gGmbH (DFA) gegründet. Damit wurden alle bisherigen Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der Evangelischen Berufsschule für Pflege des Rauhen Hauses und der Fortbildungsstelle des Diakonischen Werkes gebündelt.